Da ich meistens nach Gefühl koche, und Improvisation phasenweise an der Tagesordnung ist, fällt es mir schwerer als ich anfangs dachte, Rezepte zu schreiben. Und irgendwie finde ich es auch langweilig, nach “festen Regeln” zu kochen. Rezepte gibt es im Internet ja eigentlich schon genug. Die meisten Gerichte sind veganisierbar. Wer beispielsweise grüne Pfeffersoße machen will, findet dafür eine Menge Anregungen die zwar nicht vegan sind, aber ganz einfach mit pflanzlichen Zutaten nachzukochen sind.
Ein weiterer Hemmschuh über Essen zu bloggen war jedoch auch die Tatsache, dass die Anzahl hungernder Menschen auf diesem Planeten im Ansteigen begriffen ist. Schlimmer noch, Nahrungsmittelspekulanten treiben die Preise in die Höhe, wodurch selbst bei vorhandener Spendenbereitschaft weniger Menschen geholfen werden kann. Ich bin erschüttert dass manche offenbar immer noch nichts aus der ersten Phase der Krise gelernt haben, und somit nicht nur weiterhin billigend in Kauf nehmen dass Menschen sterben, sondern eifrig an der nächsten Krisenwelle basteln. Bezahlen müssen das alles – die Verbraucher, die Spender, die Leistungserbringer, die dem Markt ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen und Werte schaffen die von egozentrischen Zockern mit Füßen getreten werden. Ihr Abstraktionsvermögen gestattet es offenbar nicht mehr, die Ausmaße der von ihnen in Gang gesetzten Wirkungsketten zu erfassen. Falls sie das aber doch tun, muss die Frage erlaubt sein wie man jemanden nennen soll der durch sein Handeln derart lebensvernichtende Konsequenzen für so viele Menschen in Kauf nehmen kann?
Deswegen ist es mir wichtig das Augenmerk auf eine Ernährung aus erster Hand zu lenken und aufzuzeigen, welche pflanzliche Vielfalt uns zur Verfügung steht mit der wir nicht weniger reichlich, und trotzdem um ein Mehrfaches ressourcenschonender essen. Dies sind Anregungen und Vorschläge, mehr nicht. Ich weiß selbst (schließlich mochte ich auch mal Fleisch), dass einen der Sprung über den Schatten alter Gewohnheiten anfänglich stärker fordert, aber auch nur das, und nicht auf Dauer. Grillen macht nicht deswegen weniger Spaß weil man sich nach der Umstellung Pflanzenfleisch und Gemüse auf den Rost legt. Zu einem gelungenen Grillereignis gehört noch viel mehr, das Zusammensein zum Beispiel. Den kulinarischen Fantasien sind ebenso wenig Grenzen gesetzt wie vorher – ich glaube sogar weniger, durch die neue entdeckte Freude am Entdecken. So reichhaltig wie heute habe ich früher nicht gegessen und für viele tolle und gesunde Lebensmittel die mittlerweile den Speiseplan bereichern, war da gar kein Raum.
Mit meiner Ernährung beziehe ich außerdem Stellung und trete damit indirekt auch für mich selbst ein – klar, schließlich bin ich nicht weniger Egoist als sonst wer da draußen. Ich lebe vegan um zum Ausdruck zu bringen, dass ich das Leid Anderer nicht in Kauf nehmen will. Hier unterscheide ich bewusst nicht mehr zwischen dem Leid von Menschen oder Tieren, und nicht etwa weil mir Menschen weniger wert sind, sondern im Gegenteil, weil ich finde dass wir eine Zukunft haben sollten. Wer nämlich argumentiert dass “zuerst die Menschen kämen” verkennt, dass nur beides zusammen diesen Effekt den er als Ausrede vorschiebt haben kann. Wer das Eine unterstützt, nimmt auch das Andere unvermeidlich hin, denn die Benachteiligung anderer Völker ist nicht zuletzt eine Folgewirkung unseres Fleischkonsums. So lange wir bereit sind das auch nur einen Tag länger fortzusetzen, haben wir selbst keinen Grund uns darüber aufzuregen, wenn andere bereit sind, unser Wohl zu missachten – Politiker zum Beispiel, oder Wirtschaftsbosse… – Denn was – abgesehen davon dass sie über mehr Macht verfügen – soll uns noch von ihnen unterscheiden? – Nur eines, nämlich dass wir dann selbst Betroffene anderer Willkür sind. Das mögen wir dann auch nicht, oder? Doch so geht’s einem dabei eben – schlechter als vorher, und damit sind wir noch weit besser dran, denn unser (Über)Leben ist davon nicht unmittelbar gefährdet – noch nicht.
Ab heute werde ich das Vorgehen ändern auf Tipps, Anregungen und Fotos, ohne Mengenangaben. Bei heiklen Gerichten wo es auf Genauigkeit ankommt, schreibe ich sie weiterhin dazu.
Die Steaks die Du hier sehen kannst, habe ich beim Veganversand bestellt. Da grade welcher in der Küche rumstand, brieten wir noch etwas Sesam mit.
Die Beilage besteht aus frittierten Biokartoffelwedges. In die Soße kamen goldbraun gebratene pürrierte Zwiebeln, grüner zerstoßener Pfeffer, Sojacuisine, in feine Ringe geschnittene Piri-Piri, Miso, Sojasoße, Salz, Pfeffer – die Geschmäcker unterscheiden sich, der eine oder andere wird vielleicht pflanzliches Suppengewürz vorziehen. Das geht natürlich auch.
Dazu passen beispielsweise gebratene Kraut- oder Karottenstreifen, Brokkoli, Salat.
